von Natalie Stachetzki
„Kassandra ist die einzige ihrer Art – eine Weltenwandlerin, begabt mit der besonderen Fähigkeit, durch die Weiten des Universums zu reisen. Doch während frühere Weltenwandlerinnen bahnbrechende Entdeckungen machten, kehrt Kassandra stets mit leeren Händen zurück. Ihre Missionen enden in Nebel und Vergessen, ihre Erinnerungen zerrinnen wie Sand zwischen den Fingern. Die Welt, geplagt von einer drohenden Energiekriese, setzt ihre ganze Hoffnung auf sie. Unter dem wachsenden Druck der allmächtigen Zentrale und der mysteriösen Professorin Apollonia muss Kassandra sich entscheiden: Wie weit ist sie bereit zu gehen, um ihrer Bestimmung gerecht zu werden?“
Kassandra kann durch die Weiten des Universums reisen. Doch anstelle sich an ihre Reisen zu erinnern, hat sie Erinnerungslücken. Ihr ist es nicht möglich, ausschweifende Erklärungen ihrer Reisen und Beschreibungen der von ihr besuchten Welten abzugeben. Und damit ist sie der Zentrale, vor allem aber Professorin Apollonia ein Dorn im Auge. Die Weltenwandlerinnen vor Kassandra haben allesamt ihre Bestimmung mit Auszeichnung erfüllt. Schon bald eröffnen sich Kassandra Wahrheiten, die alles in Frage stellen, woran sie bisher geglaubt hat.
„Die Weltenwandlerin“ ist eine interessante Geschichte, die sich zwischen Fantasie, Dystopie, Wissenschaft und Gesellschaftskritik befindet. Kassandra hat mir als Protagonistin gefallen. Ich mochte ihre ruhige, verträumte Art, durfte jedoch auch recht schnell feststellen, dass sie ab und an naiv sein kann. Sie hat eine Bestimmung, die sie nicht zur Zufriedenheit andere erfüllen kann und zweifelt dadurch stark an sich. An ihrer Seite sind Personen, die ihr Mut, Halt und Zuspruch geben.
Ich mochte es sehr Kassandras Geschichte zu lesen. Sie wirkte das gesamte Buch über authentisch und hat eine nachvollziehbare Entwicklung durchlebt. Außerdem fand ich die Sache mit dem Weltenwandeln unglaublich spannend. Mir sind einzelne kleine Details unklar geblieben, rückblicken sind diese jedoch für die Message des Buches nicht wichtig. Es stehen viel bedeutsamere Dinge im Vordergrund.
Faszinierend fand ich, wie Natalie Gesellschaftskritik in eine science fantasy eingewoben hat. Die Welten, auf die Kassandra reist, sind bedroht, es gibt jedoch eine Lösung, die Bedrohung abzumildern. Gleichzeitig schwebt dadurch über Kassandras Heimat die Bedrohung. Die Menschen auf der Erde haben sich von Technik und Entwicklungen abhängig gemacht, die eine Unmenge an Energie verbrauchen. Diese Energieressourcen sind fast aufgebraucht und es bedarf einer Lösung, die auf anderen Planeten im Universum gefunden wird. Doch dadurch geraten diese anderen Welten in Gefahr. Durch Loakoon, der sich im Übrigen aufgrund seiner sanften, im Einklang mit der Natur lebenden und nachdenklichen Art in mein Herz geschlichen hat, erfährt Kassandra die Wahrheiten, die alles für sie verändern.
Ich finde es so unglaublich schwer die Geschichte zu beschreiben, ohne zu spoilern. „Die Weltenwandlerin“ ist ein Buch, das man am besten selbst entdeckt. Besonders fand ich nicht nur das Worldbuilding und die Charaktere, sondern auch den Schreibstil. Natalie schreibt sehr liebevoll, detailliert und bildhaft. Ich konnte mir die Welt, von der Kassandra stammt, die für mich persönlich die Erde darstellte, und die ganzen anderen Welten, die im Laufe des Buches auftauchten, bildhaft vorstellen. Ich habe es auch genossen, wie nahbar die Gefühle von Kassandra beschrieben wurden. Ihre Zweifel, Gedanken, aber auch ihre Freude und Sehnsucht. Ich habe mir im eBook wirklich einige Stellen markiert, weil ich sie so schön fand. Zudem gab es auch Passagen, die mich echt nachdenklich gestimmt haben und die bei mir diesen Eindruck von Gesellschaftskritik hinterlassen haben. Der Technik, bzw. Science Aspekt kommt hinzu, weil die Menschen davon abhängig sind. Sind bequemlich geworden, lassen alles für sich von Maschinen machen. Außerdem steckt hinter dem Weltenwandeln Wissenschaft aber auch etwas Magie.
Kurz vor dem Ende gab es eine Stelle, die mich emotional sehr mitgenommen hat, sodass ich ein-zwei Tränchen nicht bei mir halten konnte. Einerseits war diese Stelle so schön geschrieben und andererseits auch so emotional. „Die Weltenwandlerin“ hat mir wieder einmal gezeigt, dass abseits vom Mainstream spannende, faszinierende und interessante Werke gelesen werden wollen. Ich vergebe 4,5 von 5 Sterne.
„Die Weltenwandlerin“ von Natalie Stachetzki erschien 2025 im Self Publishing über MysticPress. Das Buch hat 542 Seiten, kostet 29,95€ [D] und du kannst es unter der ISBN 978-3389137321 finden (Angaben zur gebundenen Ausgabe).
Vielen Dank an Natalie Stachetzki für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.