„Der zynische Magier“

von Henrik N. Hamann

„London, 1895. Mortimer Keraldin ist ein zweitausend Jahre alter Metallmagier am englischen Königshof. Berüchtigt ist er vor allem für zwei Dinge: seine meisterhaften Transmutationszauber – und seine zynische, misanthropische Art. Doch sein Leben gerät aus den Fugen, als der König ihn vom Hof verbannt. Schon bald muss Keraldin erkennen, dass die Zeit der Magie schwindet und das Industriezeitalter unaufhaltsam Einzug hält.

Dann erhält der mürrische Magier einen Auftrag vom Hochkönig der Elfen persönlich: Keraldin soll magische Artefakte aus den Händen der Menschen zurückholen, um die sterbende Magie zu retten. Begleitet wird er dabei von der viel zu gut gelaunten Waise Emmy und der geheimnisvollen Französin Jeanne.

Doch Keraldin wird erbarmungslos gejagt. Der verarmte Baron von Gilderwood verfolgt ihn quer durch Europa – der Wettlauf hat begonnen…“

Mortimer Keraldin, Magier am englischen Königshof, wird entlassen. Doch kurz darauf hat er schon eine neue Aufgabe. Die Magie wird weniger und zu magische Artefakte können die Magie stabilisieren. Gemeinsam mit Jeanne und Emmy macht sich Mortimer auf die Suche nach den Artefakten. Doch so einfach wird es ihm nicht gemacht. Baron von Gilderwood hegt seine eigenen Pläne und ist Mortimer Keraldin, Jeanne und Emmy dicht auf den Fersen.

„Der zynische Magier“ hat mir sehr gut gefallen. Ich fand die Charaktere unglaublich gelungen. Mortimer Keraldin als unglaublich alter Magier, der die Menschen hasst und deshalb sehr zynisch ist. Ich mochte die Art und Weise, wie er beispielsweise den Baron von Gilderwood beleidigt. Die Beleidigungen waren unglaublich kreativ und unterhaltsam, da gerade die Personen, die die Beleidigungen abbekamen, diese nicht immer verstanden haben. Sehr unterhaltsam fand ich in dieser Hinsicht auch Emmy, die trotz ihrer jungen Jahre nicht auf den Mund gefallen ist und mit Mortimer mithalten kann.

Generell habe ich die Dynamik zwischen Mortimer, Jeanne und Emmy geliebt. Jeanne und Emmy dringen mit ihrer liebenswerten Art zu Mortimers Herz vor, auch wenn er dies sich nicht eingestehen will. Er hasst Menschen schließlich aus Prinzip. Jeanne und ihr französischer Akzent wurden wundervoll rübergebracht, ohne dass es danach wirkte, als würde sich darüber lustig gemacht werden. Es verdeutlichte einfach den Charakterentwurf. Jeanne hat mich beeindruckt. Sie ist schlagfertig, irgendwie auch forsch und weiß sich durchzusetzen. Sie ist klug, nimmt für Emmy eine Art Mutterrolle ein und kann Mortimer zurechtweisen. Emmy hat mein Herz mit ihrer frechen, klugen, schlagfertigen und liebenswerten Art einfach sofort erobert. Ich musste sie einfach gernhaben. Am besten haben mir die drei jedoch zusammen gefallen. Die ungleiche Truppe, die durch das Schicksal miteinander verbunden ist und nach magischen Artefakten jagt, wächst durch ihre Abenteuer zusammen. Sie geben sich halt und irgendwo auch einen Sinn.

Neben den Charakteren fand ich die Grundidee der Geschichte aber auch interessant und spannend. Die Bedeutung von Natur, Naturschutz und Magie rückt in den Hintergrund und technischer Fortschritt wird wichtiger. Die Lebewesen, die eng mit der Magie und Natur verbunden sind, müssen sich immer mehr aus der Welt der Menschen zurückziehen. Und Mortimer, der beide Welten kennt, die der Magie jedoch vorzieht, sieht sich mit den Neuerungen, die der technische Fortschritt mit sich bringt, konfrontiert und muss sich in dieser moderneren Welt zurechtfinden. Setting ist nicht nur London, sondern auch Paris und Istanbul (bzw. Konstantinopel). Es hat sich für mich immer wieder wie eine kleine Zeitreise angefühlt. Ich fand diese Mischung aus Magie und technischen Fortschritt sehr spannend, da ich bisher kaum, wenn nicht sogar kein Buch in dieser Richtung gelesen habe. Definitiv etwas, was ich jetzt ändern möchte. Auch wenn ich mich nicht so gut mit einigen Subgenre auskenne, so habe ich den Eindruck mit „Der zynische Magier“ meinen Einstieg in die Richtung Steampunk gefunden zu haben.

Was ich auch unglaublich mochte, war Henriks Schreibstil. Ich bin gerade so durch das Buch geflogen und habe nur pausiert, weil ich noch andere Dinge geplant hatte. Sonst hätte ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen. Ich weiß jetzt schon, dass ich mehr von Henrik lesen möchte, sein Debüt hat mich nämlich von sich überzeugt.

Insgesamt hat mich „Der zynische Magier“ unglaublich gut unterhalten, ein interessantes Setting und eine faszinierende Mischung aus Magie und Technik geboten. Auch die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und haben sich nachvollziehbar weiterentwickelt. Außerdem gab es ein paar Textstellen, die mich zum Nachdenken angeregt haben, weil sie spannende oder neue Perspektiven boten.

Ich vergebe 5 von 5 Sterne.

„Der zynische Magier“ von Henrik N. Hamann erschien im Juli 2026 im Valmis Verlag. Das Buch hat 268 Seiten, kostet 15,99€ und du kannst es unter der ISBN 978-3-695-65770-4 finden.

Vielen Dank an Julia vom Valmis Verlag für das Bereitstellen des Buches als Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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