„Verloren in Eis und Schnee – die unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow“

von Davide Morosinotto

„Ihr dürft euch nicht verlieren! Das hat die Mutter den Zwillingen Viktor und Nadja eingeschärft. Doch im überfüllten Bahnhof von Leningrad werden sie auseinandergerissen. Viktor verschlägt es ins entlegene Sibirien. Verzweifelt versucht er, seine Schwester wiederzufinden, und begibt sich auf den gefährlichen Weg quer durch das verschneite Russland. Währenddessen hält Nadja sich auf einer Insel versteckt, wo sich die Lage zuspitzt. In ihren Tagebüchern schildern die Geschwister eindringlich die dramatischen Erlebnisse.“

Ein beeindruckender Roman, der in der Zeit der Belagerung Leningrads durch die Deutschen spielt.

Nadja und Viktor leben in Leningrad als sich die Lage zuspitzt. Die Kinder werden von den Eltern getrennt und sollen in Sicherheit gebracht werden. Doch dabei verlieren die Zwillinge sich und es beginnt eine abenteuerliche, lebensgefährliche Reise durch das von Krieg gezeichnete Russland auf der Suche nach dem jeweils anderen.

Dieses Buch ist etwas besonderes, was ich so noch nie gelesen habe. Das Buch lag jetzt schon mehrere Jahre auf meinem SuB. Ich habe es damals geschenkt bekommen und muss ehrlich sagen, dass ich nicht so erfreut war. Ich interessiere mich weder sehr dafür, was in dieser Zeit passiert ist – keine Frage, dass der 2. Weltkrieg eine dunkle Zeit der Menschheitsgeschichte ist, – noch lese ich gerne Bücher, in denen Krieg ein großes übergeordnetes Thema ist. Letztes Jahr im Sommer hatte ich das Buch schon mal auf meine Leseliste gesetzt, mich aber immer noch nicht ran gewagt. Ich hatte einfach das Gefühl, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist. Und auch nachdem ich es für den April erneut auf meine Leseliste gesetzt habe, habe ich mich lange davor gedrückt. Nachdem ich mir dann aber den Druck rausgenommen habe, indem ich beschlossen habe, es jederzeit abzubrechen oder auch nur zu pausieren, habe ich dann doch zur Geschichte gegriffen. Was ich schonmal sagen kann: Ich wurde nicht enttäuscht.

Im Gegenteil. Die Aufmachung des Buches fand ich sehr interessant und im nachhinein auch extrem passend. Die Protagonisten Nadja und Viktor erzählen abwechselnd ihre Erlebnisse zur Zeit der Belagerung Leningrads in Form von Tagebucheinträgen. Das besondere ist, dass die Geschehnisse von einer dritten Person in Abschnitte eingeteilt wurden. Man blickt dementsprechend rückblickend auf das, was geschehen ist. Zudem findet man in den Tagebucheinträgen Randbemerkungen dieser dritten Person. Zuerst dachte ich, dass diese mich stören würden, da sie eine andere Erzählperspektive darstellen und vor allem einen anderen Standpunkt. Aber gerade das hat die Geschichte so spannend gemacht. Durch die Tagebucheinträge ist man den Protagonisten sehr nah, was mir gut gefallen hat. Allerdings konnte ich, warum auch immer, nicht zu 100% mit den Charakteren mitfühlen. Vielleicht fehlt mir hier aber auch einfach die Vorstellungskraft oder ich habe mich schon von Beginn an unbewusst emotional distanziert. Ich weiß es nicht. Wer kann sich schon vorstellen, wie es wirklich ist, als 13 Jährige*r zu der Zeit eines Krieges auf sich alleine gestellt zu sein. Leider ist es ja immer noch der Fall, dass es auf der Welt Krieg gibt, dass Kinder durch Kriege alles verlieren und auf sich alleine gestellt sind. Mein Mitgefühl ist bei all diesen Kindern, denn alleine das Wissen ist schon schmerzhaft. Was mich an dieser Geschichte so beeindruckt hat, wie kindlich der Schreibstil bei den Einträgen ist. Die Ausdrucksweise war einfach genauso, wie ich es bei einem Kind in diesem Alter erwarten würde. Auch die Entwicklung des Ausdrucks und der Charaktere war für mich angesichts dessen, was die Protagonisten erleben schlüssig und einleuchtend. Der Autor merkt am Ende des Buches selbst an, dass es nahezu ein historischer Roman ist. Einige der Ereignisse haben so stattgefunden, andere sind frei erfunden. Der Schreibstil, das große Ziel eines Wiedersehens der Geschwister und wissen zu wollen, was die beiden so alles erleben haben mich dazu gebracht immer weiter lesen zu wollen. Ich habe das Buch zwar nicht am Stück gelesen, sondern mit anderen Unterbrechungen, was aber daran lag, dass ich zwischenzeitlich lieber etwas anderes machen wollte als lesen. Ich wollte dem Buch die Aufmerksamkeit schenken, die es verdient. Weshalb ich nur dann gelesen habe, wenn ich auch wirklich Lust hatte. Dieses Buch verdient mehr Aufmerksamkeit, denn die Erlebnisse von Nadja und Viktor sind wirklich – wie es der Titel sagt – unglaublich. Ich muss allerdings auch zugeben, dass an dem Buch viel Kritik geübt werden kann. Allerdings würde diese Kritik in eine politische Richtung gehen und das möchte ich hier nicht. Insgesamt bietet das Buch Kindern allerdings einen Einblick in die damalige Zeit, wenn auch nicht alles ganz der Realität entsprechen mag. Ich denke trotzdem, dass vor allem jüngere Leser*innen, die sich für Geschichte begeistern können, gefallen an diesem Buch finden. Ich gebe 4 von 5 Sterne.

„Verloren in Eis und Schnee – die unglaubliche Geschichte der Geschwister Danilow“ von Davide Morosinotto erschien 2018 beim Thienemann Verlag. Es hat 431 Seiten (ohne Nachwort und Danksagung), kostet 18,00€ [D] und du kannst es unter der ISBN 978-3-522-20251-0 finden.

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